ESG Immo­bilien
Ar­ti­kel • 2021-12-12

ESG-Da­ten­an­for­de­run­gen

„Klar de­fi­nier­te ESG-Da­ten­an­for­de­run­gen feh­len.“

In­ves­to­ren sind zu­neh­mend auf ESG-Stan­dards an­ge­wie­sen. Julia Hau­ber, Head of ESG Real Estate bei Wealth­cap, gibt Ein­bli­cke, was die Im­mo­bi­li­en­bran­che er­war­tet und was be­reits jetzt auf der Hand liegt.

Le­se­zeit: 3 Mi­nu­ten
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In­ves­to­ren, Ban­ken und As­set-Manager sind zu­neh­mend auf Ra­tings, eine gute Da­ten­ba­sis und ESG-Stan­dards an­ge­wie­sen. An vie­len Stel­len hakt es noch. Julia Hau­ber, Head of ESG Real Estate bei Wealth­cap, gibt Ein­bli­cke, was in der Bran­che be­reits jetzt in Pla­nung ist, über ihre Er­fah­run­gen mit Green Lea­ses sowie über ESG-Trends der Zu­kunft und Heraus­forde­rungen im so­zia­len Be­reich.

Julia Hau­ber

Head of ESG Real Estate, Wealth­cap

Frau Hau­ber, glau­ben Sie, dass der Kli­ma­wan­del im Be­wusst­sein der Im­mo­bi­li­en­bran­che an­ge­kom­men ist?

Julia Hau­ber: Seit­dem es da­hin­ge­hend ge­setz­li­che Vor­schrif­ten gibt, ist der Kli­ma­wan­del bei den meis­ten Un­ter­neh­men in unserer Bran­che an­ge­kom­men. Ge­mein­sam mit unseren An­le­gern stel­len auch wir bei Wealth­cap uns die­sen be­son­de­ren Heraus­forde­rungen. Da­ge­gen spielt bei vie­len unserer Mie­ter das The­ma der­zeit eine noch eher un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le. Al­ler­dings sind schon seit Lan­gem der En­er­gie­be­darf sowie die Energie­effizienz unserer Gebäude im Be­reich der Ne­ben­kos­ten auch für unsere Mie­ter be­deut­sam.

Green Lea­ses sind also noch kein so gro­ßes The­ma?

Julia Hau­ber: Für uns sind Green Lea­ses auf je­den Fall wich­tig. Wir mer­ken aber, dass es ge­ra­de in den Ge­sprä­chen mit neu­en Mie­tern her­aus­for­dernd wird, sol­che Punk­te in die Miet­ver­trä­ge auf­zu­neh­men. Das Be­wusst­sein da­für, dass auch Bü­ro­mie­ter an sol­chen Stel­len ei­nen klei­nen, aber wich­ti­gen Bei­trag leisten kön­nen, fehlt an vie­len Stel­len noch. Ein an­de­res Bei­spiel ist das The­ma Öko­strom. Wir ha­ben alle unsere Strom­ver­trä­ge schon um­ge­stellt und ver­su­chen der­zeit, auch unsere Mie­ter da­für zu ge­win­nen.

Green Lea­ses

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Green Lea­ses sind Miet­ver­trä­ge, die Klau­seln ent­hal­ten, in de­nen sich Mie­ter und Ver­mie­ter dar­auf ei­ni­gen, die Im­mo­bi­lie res­sour­cen­scho­nend zu nut­zen und zu be­trei­ben. Das kön­nen etwa Klau­seln zum Strom- und Was­ser­ver­brauch, zur Ab­fall­ent­sor­gung und zur Rei­ni­gung des Ge­bäu­des sein. Green Lea­ses kön­nen ganz ver­schie­den aus­ge­stal­tet wer­den – je nach­dem, zu wie viel res­sour­cen­spa­ren­dem Ver­hal­ten sich bei­de Par­tei­en ver­pflich­ten wol­len. Ein wich­ti­ger Be­stand­teil ist, dass die Ver­brauchs­da­ten zwi­schen Mie­ter und Ver­mie­ter aus­ge­tauscht wer­den.

Was sind die größ­ten Heraus­forde­rungen für In­ves­to­ren im ESG-Be­reich?

Julia Hau­ber: Im ESG-Be­reich feh­len uns klar de­fi­nier­te Da­ten- und Re­port­ing-An­for­de­run­gen sei­tens der Ge­setz­ge­bung. Als Ver­ant­wort­li­che für die Da­ten­er­he­bung im As­set-Ma­nage­ment ist dies na­tür­lich auch ein Her­zens­the­ma für mich. Was ist ein Ar­ti­kel-8-Fonds, also ein Fi­nanz­pro­dukt mit öko­lo­gi­schen oder so­zia­len Merk­ma­len? Und was ge­nau fällt un­ter Ar­ti­kel 9: Nach­hal­ti­ge Fi­nanz­pro­duk­te mit ei­ner an­ge­streb­ten Nach­hal­tig­keits­wir­kung? Hier­bei fehlt uns und der gan­zen Bran­che noch eine kla­re Ab­gren­zung. Aber wir nä­hern uns dar­an an und ste­hen in en­gem Aus­tausch mit unseren In­ves­to­ren.

Wor­in se­hen Sie die größ­ten Heraus­forde­rungen in den Be­rei­chen So­cial und Governance?

Julia Hau­ber: Ich glau­be, was die Governance an­geht, sind die Heraus­forde­rungen für uns selbst nicht so groß. Als Toch­ter der UniCre­dit sind wir Teil ei­ner eu­ro­päi­schen Ban­ken­struk­tur. Da­durch und auch ge­ne­rell ha­ben wir um­fas­sen­de kla­re Po­li­ci­es und Gui­de­lines. Eine Com­pli­ance-Struk­tur hat au­to­ma­tisch auch eine Governance-Struk­tur. The­men wie Men­schen­rech­te, Ar­beits­be­din­gun­gen und Lie­fer­ket­ten, den­ke ich, ha­ben die meis­ten Un­ter­neh­men im Griff. Dazu ge­hö­ren für mich auch The­men wie die Un­ter­zeich­nung der „Prin­ci­ples for Re­spon­si­ble In­vest­ment“ (PRI). Wir sind über­zeugt, dass eine lang­fris­ti­ge Wert­schöp­fung nur in ei­nem nach­hal­tig ge­stal­te­ten glo­ba­len Fi­nanz­sys­tem mög­lich ist.

Beim The­ma So­cial wird es je­doch span­nend: Wie wol­len wir das ge­nau an­ge­hen und be­wer­ten? Dar­über dis­ku­tie­ren wir viel. Be­son­ders dann, wenn wir in Woh­nen investieren. Un­ser Ge­schäfts­mo­dell sind ja unsere In­ves­to­ren und de­ren Ren­di­te. An­de­rer­seits gibt es in den meis­ten Städ­ten ei­nen Woh­nungs­markt, in dem die Mie­ten im­mer wei­ter stei­gen. Dort wirk­lich so­zi­al­ver­träg­li­che Mie­ten an­zu­set­zen, ist schwie­rig – selbst zu be­wer­ten, was so­zi­al­ver­träg­li­che Mie­ten über­haupt sind. Was wir uns aber vor­ge­nom­men ha­ben, ist, die Auf­ent­halts­qua­li­tät im Ob­jekt zu be­ein­flus­sen, da­mit sich die Mie­ter dort noch woh­ler füh­len. An­sons­ten ist das So­zia­le noch ein schwie­ri­ges The­ma. Da bin ich ge­spannt, wo­hin es sich ent­wi­ckelt.

Wel­che wich­ti­gen ESG-Trends se­hen Sie für die nächs­ten Jah­re?

Julia Hau­ber: Die­ses Jahr ging es sehr viel um En­er­gie­da­ten und Ab­fall­ma­nage­ment. Ich den­ke, dass wir uns künf­tig ver­stärkt mit dem The­ma Was­ser be­schäf­ti­gen müs­sen und wie wir den Was­ser­ver­brauch re­du­zie­ren kön­nen. Dies kommt al­les aus der Ta­xo­no­mie­ver­ord­nung. Dazu ge­hört zum Bei­spiel der Was­ser­ver­brauch für die Rei­ni­gung der Gebäude und für die Pflan­zen­be­wäs­se­rung. Meist wird da­für noch Lei­tungs­was­ser ver­wen­det. Nach­hal­ti­ger wäre es, Re­gen­was­ser zu ver­wen­den. Hier­bei ha­ben wir in Deutsch­land noch Auf­hol­be­darf.

Was­ser­man­gel

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Dem Deut­schen Wet­ter­dienst zu­fol­ge gab es in den ver­gan­ge­nen Jah­ren deut­lich we­ni­ger Nie­der­schlag als in der Re­fe­renz­pe­ri­ode zwi­schen 1961 und 1990. So fiel der Nie­der­schlag im Jahr 2018 um 25 Pro­zent ge­rin­ger aus, 2019 wa­ren es 7,0 Pro­zent und im ver­gan­ge­nen Jahr etwa 10,0 Pro­zent we­ni­ger. Be­son­ders pro­ble­ma­tisch wird es, wenn der Nie­der­schlag im Früh­ling fehlt. Im Früh­jahr 2020 etwa reg­ne­te es nur halb so viel wie in der er­wähn­ten Re­fe­renz­pe­ri­ode. Da­mit war 2020 der sechst­tro­ckens­te Früh­ling seit Be­ginn der Wet­ter­auf­zeich­nun­gen im Jahr 1881. Ge­mäß Um­welt­bun­des­amt ist das Was­serd­ar­ge­bot in Deutsch­land trotz­dem ins­ge­samt aus­rei­chend, wo­bei es je­doch re­gio­na­le Un­ter­schie­de in der Was­ser­ver­füg­bar­keit gibt. Lo­ka­le oder re­gio­na­le Eng­päs­se wie etwa in den Jah­ren 2018 und 2019 ha­ben dem­nach ver­schie­dene Ur­sa­chen. Ne­ben den un­ter­schied­li­chen kli­ma­ti­schen Rand­be­din­gun­gen kann eine hohe Was­ser­nut­zung zu be­stimm­ten Zei­ten⁠ die Ver­tei­lungs­sys­te­me ei­ni­ger Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men an ihre Gren­zen brin­gen.

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